Ein neues Leben kennen gelernt

Sama war eine der jungen Damen, die mit nach Deutschland reisen konnte. Dr. Alka Macwan hat sie nach der Reise interviewt, hier ihr Bericht.

 

Stellungnahme zu einem neuem Leben : Erfahrung von Sama Vahora

 

Von dem Augenblick, als ich für den Besuch in Deutschland ausgewählt wurde, fühlte ich mich als sehr glücklicher Mensch. Bis zu diesem Moment fragte ich mich immer, warum Gott mich als Mädchen in meine muslimische Familie geboren hat, weshalb mir als Mädchen so viele Einschränkungen auferlegt wurde. Ein Mädchen und vor allem auch ein Muslimmädchen wird immer mit vielen Probleme der männlichen dominanten Gesellschaft konfrontiert. Als Mädchen hat man keine Freiheit, keine Entscheidungsmöglichkeit, kein Recht, Gefühle und Gedanken auszudrücken . Von mir wird immer erwartet, dass ich dem folge, was meine Familie sagt, und mich wie eine gute gehorsame Tochter/Mädchen verhalte. Deshalb konnte ich mich nie selbst lieben und auch kein Vertrauen entwickeln. Aber wie jede/r hatte ich auch Träume und Hoffnungen. In meinen Träumen wollte ich immer, dass ich mein Leben voll und ganz leben kann, obwohl ich ein Mädchen bin. Mein Traum ging in Erfüllung, als ich einen ganzen Monat an verschie-denen Orten in Deutschland verbringen konnte.

 

Während der Vorbereitungsphase hörte ich mir die Erfahrungen von Mädchen an, die Deutschland zuvor besucht hatten, und ich wurde immer aufgeregter, weil ich dachte, dass ich mindestens einen Monat meines Lebens unter Menschen verbringen werde, die Mädchen und Jungen gleichberechtigt behandeln und wo es die Freiheit gibt, seine Gefühle und Gedanken auszudrücken. Jetzt, am Ende meines Besuches, wenn ich zurückblicke, habe ich das Gefühl, in den vielen Momenten mit der Gruppe und auch mit den deutschen Menschen, mit denen ich zusammengetroffen und gelebt habe, dass ich alles so realisieren konnte.

 

Um ehrlich zu sein, war ich, als ich ausgewählt wurde, nicht gut im Tanzen und auch nicht in der Henna Malerei. Deshalb hatte ich Angst, dass ich gar nicht mit nach Deutschland mitgenommen werde. Aber während der Trainingszeit habe ich gemerkt, dass mich jeder aus der Gruppe motiviert hat es zu versuchen, und dass Motivation für mich sehr wichtig war. Normalerweise werden indische Mädchen immer für ihre Fehler kritisiert und immer korrigiert und für alles verurteilt, was sie tun. Bis jetzt habe ich gespürt, dass meine Familie und Verwandte versucht haben, aus mir das „ideale Mädchen“ zu machen. Ich durfte nie in meinem Leben vor meinen Familienmitgliedern tanzen. Deshalb fehlte mir das Selbstvertrauen. Aber durch das Training ging es mir immer besser. Ich wollte schon immer Henna-Malerei lernen, aber meine Eltern wollten, dass ich den Nähkurs bei CDS besuchte. Durch meine Auswahl für den Besuch in Deutschland erhielt ich auch eine konzentrierte Ausbildung in Henna Malerei, so dass sich auch mein lang gehegter Wunsch, dies zu lernen, erfüllte. Während des Trainings erhielt ich interessante Einblicke in andere Religionen, da die Mädchen der Gruppe verschiedenen Religionen angehörten. Es gab keine Ungleichheit in Bezug auf die Religion von Manoj Sir und Alka Madam, wir wurden alle gleich behandelt, und das mochte ich sehr. Ich denke alle Inder sollten lernen, dass alle Religionen gut und gleich sind. Ich lernte auch verschiedene Manieren: Regelmäßigkeit, Dinge mit anderen zu teilen und wie man in dieser Phase in der Gruppe zu leben hat.

 

Meine Erfahrungen in Deutschland sind unglaublich. Jeder Tag brachte neues Lächeln für uns alle. Nach dem ersten Flugerlebnis dachte, dass ich, schon alles bekommen zu haben, aber als wir von Papi (Werner Eckert) und Flory (Florian Eckert) so herzlich empfangen wurden, stellte ich fest, dass sie nette Leute sind. Nachdem wir Öflingen erreicht hatten, sah ich, dass unsere Fotos mit Namen in der Nähe des Tisches hingen. Es war sehr überraschend, dass Mami und Papi unsere Namen auswendig kannten, damit sie uns mit unseren Namen ansprechen konnten!!! Ich verstand, dass sie jeden von uns so sehr schätzen. Ich bin vor Freude gesprungen, als uns ein sehr komfortabler Aufenthaltsort gezeigt wurde. Liebe und Fürsorge, in allem, was Mami (Dagmar Eckert) für uns tat, gab mir das Gefühl, dass sie göttliche Qualitäten hat, die ich nicht einmal in meiner Mutter gefunden habe. Wir fühlten uns wohl mit allen Kindern. Interessanter war die Tatsache, dass auch die Kinder unsere Namen kannten (sogar die kleine Isabella !!!). Das hat mich ganz besonders gefreut.

 

Wohin wir auch gingen während unseres Aufenthaltes, hatten wir schöne Erfahrungen. Kirchen, Altersheim, Behindertenhaus, Schulen, Kindergarten, Häuser von Verwandten, zu denen wir zum Essen eingeladen wurden, Restaurants, Sehenswürdigkeiten (besonders in der Schweiz) haben uns sehr beeindruckt. Wir haben die Auftritte gerne gemacht, weil die Leute für uns geklatscht haben. Sie schätzten unser Talent, unsere Kostüme und auch unsere Haare!!! Es war so schön, all das zu hören. Ich habe festgestellt, dass die Menschen in Deutschland, wohin wir gingen, uns wie Menschen behandelten. Sie respektierten unsere Kultur und boten herzliche Gastfreundschaft. Ich wollte nach jedem Auftritt besser werden, weil die Leute alles so schätzten. Das hat mir geholfen, Selbstvertrauen aufzubauen. Der selbstlose Einsatz von vielen Helfern beim Gottesdienst, während des Indientages und des Kirchentages und an jedem Stand, ließ mich auch erkennen, dass alles, was ich kann, zur Hilfe für die Armen beitragen kann. In Öflingen, Mosbach und in Dortmund habe ich festgestellt, dass es so viele CDS-Anhänger gibt. Mit ihrem engagierten Service wird CDS definitiv Veränderungen in das Leben vieler armer Menschen bringen.

 

Unser Aufenthalt war sehr abwechslungsreich. Wir hatten verschiedene Auftritte und auch Besichtigungen. Papi, Florian und Karin haben viel dafür getan, uns das zu ermöglichen. Den Spaß, den wir in Interlaken, Luzern und auch im Schnee mit Florian hatten, werde ich nie vergessen. Auch in Dallau, bei Petra und Pfarrer Koopmaan, haben sich alle um uns gekümmert. Wir genossen das Essen, das Programm und die Gastfreundschaft dort.

 

Einige konkrete Dinge, die ich während meines Besuchs in Deutschland gemocht und gelernt habe, sind:

 

  • Sauberkeit außen und innen

  • Menschen, die Regeln befolgen, auch wenn keine Kontrolle in der Umgebung ist

  • Dass sich Menschen zu 100% engagieren, obwohl einige wirklich alt waren.

  • Die Einstellung der Menschen, andere zu würdigen

  • Respekt für alle

  • Die Fehler anderer akzeptieren

  • Sehr gute Gastfreundschaft

  • Spielen zusammen in der Familie

  • Kinder verbringen ihre Zeit mit Spielen oder Lesen, anstatt fernzusehen

  • Belastungsfreie Bildung und Spielweise im Kindergarten

  • Die Neugier der Schüler in der Schule beim Stellen von Fragen

  • Männer helfen bei der Arbeit

  • Männer-Frauen, Mädchen-Jungen sind gleichberechtigt

  • Chancengleichheit für alle

  • Schöne Natur

  • Dekoration in den Häusern

  • Garten mit Blumen und die Liebe der Menschen für Pflege ihres Küchengartens

  • Menschen zu Fuß und mit dem Fahrrad, anstatt überall das Auto zu nehmen

  • Schöne Transportmöglichkeiten im öffentlichen Verkehr (in Dortmund und Frankfurt)

  • Studierende mit unabhängigem Lebensstil (in Frankfurt)

  • Teamarbeit (während des Indientages/Verkaufsständen/Kirchentag)

 

Ich bedanke mich herzlich bei Papi für sein wunderbares Lächeln, seine Fürsorge, seinen unermüdlichen Antrieb und seine Geduld, bei Mami für ihre köstliche, mütterliche Pflege, die sich in dem Essen widerspiegelte, das sie für uns zubereitete, Petra und Pfarrer Koopmaan für ihre große Gastfreundschaft, Rosel Mummy für ihr fabelhaftes Wesen, Monika für die liebevolle Freundschaft, Florian für seine besondere Gesellschaft, die indischen Lieder und das Genießen von Panipuri mit uns, Karin und Nick dafür, dass sie uns ihre Kinder ohne zu zögern überlassen haben, Marion und Heiko für die wunderbare Zeit, Pfarrer Peter und Pfarrer Martin für ihr eifriges Bemühen und vor allem für das "Prabhu Ki Stuti Karo" Lied, Pfarrer Peters Frau für das Basteln der Papierkühe, Christoph, Bettina und Maria für ihren unermüdlichen Einsatz am Kirchentag, Herr Karl-Wilhelm für die schönen Bilder von uns und seine Wertschätzung, Herrn Herold für das partizipative Kochen in seinem Haus in Sallneck, Philipp und Tobias für ihre Unterstützung, Marianne und Udo für ihre Hilfsbereitschaft, und für ihre Unterstützung und allen Kindern (Linn, Fionna, Malia, Amella, Helena und Isabella) für die Wertschätzung unserer Hennatatoos und der Tänze und das sie uns geliebt haben. Ich kenne von vielen Menschen nicht die Namen, die Hallo zu uns gesagt, mit uns gesprochen und uns so akzeptiert haben, wie wir sind. Wir sind der evangelischen Kirchengemeinde Wehr und Öflingen wirklich dankbar für eine sehr wertvolle Erfahrung für ein Mädchen wie mich, das nur in Indien lebt, aber kaum die Möglichkeit hat, das Leben in vollen Zügen zu leben.

 

Ich werde die süßen Erinnerungen an meine Tage in Deutschland bis zum Ende meines Lebens wertschätzen!!! Einmal im Leben in der Tat erlebt!!!